„Social Commerce“ – die neue Art des E-Commerce?

Lange Zeit dominierten große Player wie Amazon, Ebay oder Otto den Handel im Internet. Der klassische E-Commerce, der insbesondere durch den Verkauf von Waren und Produkten über Online-Shops und Plattformen geprägt war, verliert zunehmend an Bedeutung. Als Ergänzung wird vermehrt der Begriff des „Social Commerce“ in die Diskussion gebracht. Doch was versteht man unter diesem Begriff und welche Vorteile können stationäre Händler*innen daraus ziehen? 

Social Commerce – was versteht man darunter?

Seinen Ursprung findet der Begriff im Jahr 2005, als Yahoo noch eine der relevanten Suchmaschinen im Netz war. Anders als Google, präsentierte sich die Webseite mit einer Vielzahl an Inhalten. Darunter auch die sogenannte Shoposphere Pick List. Diese präsentierte Artikel, die sich in verschiedenen Online-Shops zum damaligen Zeitpunkt besonders gut verkauften, wodurch die Aufmerksamkeit der User gezielt darauf gelenkt wurde (Shopify International Limited 2022). – Der Social Commerce war geboren! 


Social Commerce (© ROQQIO Redaktion)
Social Commerce (© ROQQIO Redaktion)

Doch was versteht man jetzt genau darunter?

Social Commerce, häufig auch als „Social Shopping“ bekannt, ist eine spezifische Art von E-Commerce. Bei dieser stehen die Kommunikation der Kunden untereinander, deren aktive Einbeziehung sowie die persönliche Beziehung zwischen Händler*in und Kundschaft im Mittelpunkt. Obwohl der Begriff häufig auf den Produktverkauf via Social Media reduziert wird, ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass er deutlich umfassender ist. 

Allen Ansätzen gemein ist, dass stets ein gewisses Maß an Interaktion des Händlers / der Händlerin mit seinen / ihren Kunden vorliegt. Dabei ist zweitrangig, ob die Interaktion über Rezensionen, Posts, Abstimmungen oder Erfahrungsberichte stattfindet. Auch Live-Shopping- und Streaming-Angebote fallen in die Kategorie des Social Commerce. 

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass nicht mehr länger nur der Online-Shop des Unternehmens direkt das Ziel der Kunden ist, sondern, dass sie durch andere Kanäle, wie Social Media oder Blogs auf die Produkte aufmerksam gemacht werden und den Kaufabschluss direkt über diesen Kanal auch abschließen können. Hierdurch wird die Customer Journey vereinfacht und das Shopping-Erlebnis für den Kunden bequemer gestaltet. Besonders relevant für den Social Commerce sind dabei folgende Plattformen:

  • Facebook
  • Twitter
  • Instagram
  • Pinterest
  • YouTube
  • Snapchat
  • TikTok

Aktuelle Entwicklungen

Als Hintergrund für die Entstehung und den Erfolg von Social Commerce lässt sich die zunehmende Nutzung mobiler Endgeräte, wie Smartphones und Tablets, und mobiler Applikationen (Apps) nennen. Durch diese nimmt die Frequenz auf den klassischen Suchmaschinen, wie Google, dramatisch ab. Des Weiteren kann die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen (Geschäftsschließungen, Zwang nach alternativen Handlungsformaten) als Brandbeschleuniger deklariert werden. 

Knapp zwei Drittel (64 %) der befragten Social-Media-Nutzer gaben an, im letzten Jahr einen Social-Commerce-Kauf getätigt zu haben […].

Accenture 2022

Allerdings zeigt sich diese Expansion auch am wachsenden Anteil des Social Commerce am Jahresumsatzes des E-Commerce. Weltweit erwirtschaftete der Bereich Social Commerce im Jahr 2021 einen Umsatz von rund 492 Milliarden Dollar. Dieser soll sich bis ins Jahr 2025 fast verdreifachen und damit ein Volumen von rund 1,2 Billionen Dollar erreichen. Der Anteil des Social Commerce an allen E-Commerce-Ausgaben würde damit von 10% im Jahr 2021 auf 17% im Jahr 2025 steigen (Accenture 2022). Insbesondere die Generationen Y und Z treiben dieses Wachstum voran. 

Als Vorreiter im Hinblick auf Social Commerce gilt insbesondere der asiatische Raum. Dabei vor allem China. Anders als bei uns, läuft der Großteil des Online-Handels dort bereits heute schon mobil ab. 

Acht von zehn Social-Media-Nutzer in China greifen auf Social Commerce zurück, um Einkäufe in einer bestimmten Kategorie zu tätigen.

Accenture 2022

Soziale Plattformen wie WeChat, QQ, Weibo und Co. bieten eine Vielzahl an Funktionen in ihren eigenen Ökosystemen an. Dadurch sind die Nutzer*innen nicht länger gezwungen, auf die traditionellen Suchmaschinen auszuweichen, um beispielsweise den Kaufabschluss zu tätigen (SEARCH ONE 2020). 

Und wie nutze ich Social Commerce als Händler*in?

Schließlich lässt sich festhalten, dass die Zeit der großen Marken und Big-Player lange vorbei ist. Mittlerweile bietet Social Commerce insbesondere kleinen Marken und Unternehmen neue Chancen und Möglichkeiten, ihre Produkte an den Mann / die Frau zu bringen. Ferner bietet der Begriff „Direct-to-Customer“ Herstellern die Möglichkeit, direkt als Händler aufzutreten. 

In Zukunft wird die Kaufentscheidung zunehmend durch Empfehlungen und Inspiration sowie dem Kontext geprägt, in dem sie stattfindet. Weniger wichtig wird dann die Markenbekanntheit sein, die dabei viele Jahre lang dominierte. Authentizität und Vertrauen bieten insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen die Möglichkeit, den Social Commerce erfolgreich für sich zu nutzen. 

Ausblick

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Social Commerce in den letzten Jahren einen regelrechten Hype erlebt hat. Während der asiatische Raum lange Zeit als Vorreiter galt, werden zunehmend auch immer mehr Unternehmen der westlichen Welt die Chancen nutzen, um die Customer Journey ihrer Kundschaft auf ein neues Level zu heben. 

Quellen

Accenture (2022): Accenture-Studie: Social-Media-Shopping wird bis 2025 weltweit ein Volumen von 1,2 Billionen Dollar erreichen. 

SEARCH ONE (2020): Ist Social Commerce die Zukunft des E-Commerce? 

Shopify International Limited (2022): Social Commerce: Wie der Verkauf über die Sozialen Medien gelingt. 

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Autor*in

Verena Birkmann

Verena Birkmann, Jg. 1997, ist Kulturgeographin (Bachelor) und absolviert momentan ihr Master-of-Arts-Studium an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Seit März 2020 arbeitet sie für die CIMA Beratung + Management GmbH insbesondere als Digital-Managerin lokaler Online-Plattformen und als Unterstützung im Projektmanagement. Außerdem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Pflege der cima.digital-Wissensdatenbank und schreibt als Autorin für den cima.digital-Blog.

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