Schwärmerei für lokale Angebote


Regionale Erzeugnisse online kaufen und auf einem Bauernmarkt abholen – das ist das Prinzip von MARKTSCHWÄRMER. Das aus Frankreich stammende Konzept hat mit derzeit 66 Schwärmereien auch Deutschland erobert – 20 davon befinden sich im ländlichen Raum. Wir sprachen mit JACQUES WECKE, Projektleiter Marktschwärmer Deutschland, über Funktionsweise und Nutzen der Plattform.


Wie funktioniert ihre Plattform Marktschwärmer?

WECKE: Regionale Erzeuger haben auf unserer Online-Plattform www.marktschwaermer.de einen eigenen Online-Shop und stellen dort ihre Produkte wöchentlich neu ein. Die Preise legen sie selbst fest. Kunden wählen dann aus dem lokalen Produktkatalog aus und bezahlen. Danach holen sie die Bestellung bei der nahegelegenen Marktschwärmerei, dem Bauernmarkt, ab. Der Einkauf bleibt durch digitale Komponente so nicht anonym. Im Gegenteil: Der Erzeuger übergibt die Bestellung persönlich. Der Markt findet einmal in der Woche für rund zwei Stunden statt. Organisiert wird die Schwärmerei durch lokale Gastgeber (Einzelpersonen, Vereine, o. ä.). Sie steuern den Online-Verkauf und die Verteilung, gewinnen Erzeuger und Kunden und gestalten ihre individuelle Marktschwärmerei durch Aktionen.

Wo findet die Schwärmerei statt?

WECKE: Grundsätzlich eignen sich Marktschwärmereien sowohl für Städte als auch für den ländlichen Raum. In Kommunen und Kleinstädten können sie mit guter Erreichbarkeit für die regionalen Erzeuger punkten. Die derzeit kleinste Marktschwärmer-Gemeinde hat nur 1.700 Einwohner. Die eigentliche Räumlichkeit sollte möglichst mietfrei sein, zentral liegen und mit guten Parkmöglichkeiten ausgestattet sein. Dafür kommen Gemeindezentren, Schulen, Vereinshäuser, aber auch Cafés und Restaurants infrage. Es kann auch ein Leerstand sein. Für den Standort hat die Schwärmerei positive Auswirkungen, weil sie für Frequenz und Kopplungseffekte sorgen und die Nachbarschaft durch den regelmäßigen Treffpunkt profitieren kann.

Welche Produkte werden angeboten?

WECKE: Marktschwärmereien versorgen die Menschen mit vorrangig mit frischen Lebensmitteln. Es werden sowohl wochenmarkttypische Sortimente wie Obst, Gemüse, Fleisch, Eier, Feinkost und Backwaren verkauft, als auch handwerkliche Erzeugnisse und Spezialitäten. Alles aus der jeweiligen Region. Das heißt, die Erzeuger kommen aus dem Umkreis der Schwärmerei, durchschnittlich 30 Kilometer entfernt. Auch die einzelnen Zutaten sollten möglichst regional sein.

Was ist die Besonderheit für Kunden und Erzeuger?

WECKE: Marktschwärmer ist eine Lösung für alle, die beim Einkaufen Wert auf regionale Produkte, kurze Transportwege, Transparenz bei der Erzeugung und Nachhaltigkeit legen. Der Kunde findet quasi das Angebot mehrerer Hofläden an einem einzigen Ort und innerhalb eines frühabendlichen Zeitfensters, das sich in der Regel gut in den Alltag integrieren lässt. Noch dazu können sich die Kunden beim Abholen direkt beim Erzeuger über den Anbau des Gemüses oder die Haltung der Tiere informieren. So entsteht Vertrauen. Erzeuger, in der Regel kleinere landwirtschaftliche Betriebe, erhalten eine weitere Möglichkeit der Direktvermarktung. Für sie ist von Vorteil, dass sie nur Ware mitbringen, die bereits gekauft ist und garantiert abgeholt wird. So werden weniger Lebensmittel geerntet und transportiert und Verpackung eingespart. Art der Produkte und Mengen bestimmt der Erzeuger selbst, sodass saisonale Schwankungen und Lieferengpässe berücksichtigt werden können.

Welche Kosten entstehen?

WECKE: Die Erzeuger behalten rund 82 Prozent des selbst festgelegten Produktpreises. Acht Prozent erhält der Gastgeber für die Organisation der Schwärmerei und weitere zehn Prozent gehen an die Marktschwärmer-Plattform. Gebühren oder Mitgliedsbeiträge gibt es weder für Kunden noch Erzeuger.

Wie können Regionen, Städte und Kommunen das Konzept unterstützen?

WECKE: Für eine Schwärmerei bedarf es vier Komponenten: Gastgeber, Standort, regionale Erzeuger und natürlich Kunden. Möchte eine Stadt oder Kommune die Einrichtung einer Marktschwärmerei initiieren, kann sie Kontakt zu uns aufnehmen, über eine öffentliche Infoveranstaltung Mitstreiter für das Projekt gewinnen oder aber auch bei der Suche nach einer Räumlichkeit helfen. Beim Marketing und der Kommunikation können Städte und Kommunen durch ihre Kanäle unterstützen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Kontakt JACQUES WECKE: jacques.wecke@marktschwaermer.de

 

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