Kooperation


Roland Wölfel, cima, zur Kooperation mit tourismus plan b
Die Kooperation unserer beiden Unternehmen besteht seit einiger Zeit. Wir arbeiten in der Realisierung von Innenstadt- und Tourismuskonzepten zusammen, z.B. Fränkische Schweiz  und Forchheim. Aber gerade eines unserer jüngsten gemeinsamen Projekte, Freiburg, zeigt wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung und Vernetzung von Wohnen-Freizeit-Kultur-Einkaufen-Wirtschaft und Tourismus ist. Ähnliche Konstellationen erleben wir in München oder auch Speyer.


Im Gespräch: ROLAND WÖLFEL, cima, und ANDREAS LORENZ, tourismus plan B, über die „Stadt als Erlebnisraum“

Längst sind urbane Räume die Bühnen engagierter Protagonisten. Es sind Erlebnisse, initiiert von Zivilgesellschaft, touristischen Dienstleistern und den Stadtmarketingakteuren – mal wild, laut, oberflächlich – mal bewusst geordnet, leise und mal unaufdringlich spontan. Sie sorgen für Belebung, Atmosphäre, Vielfalt und überraschen – meistens positiv. Sie prägen das Gesicht unserer Innenstädte entscheidend mit und setzen somit Zeichen für Stadtbewohner, Besucher und Unternehmen.

Stadt: Destination vs. Heimat

LORENZ  Der Tourismus hat (potenziell) für viele Städte eine große Bedeutung, insbesondere im ökonomischen Bereich. Er sorgt für Einkommen und Arbeitsplätze, aber auch für Vitalität im Stadtbild und trägt zur Einzelhandelsvielfalt sowie dem Erhalt von Einrichtungen wie Museen bei. Während viele Städte Sehnsuchtsorte für Gäste sind, sind diese jedoch gleichzeitig auch Wohn- und Arbeitsort für Einheimische. Für Gäste sind sie das Kontrastprogramm, für Einheimische Heimat. Die Interessen können da auseinandergehen. Fragen nach einer Überschreitung von Kapazitäts- und Belastungsgrenzen und grundsätzlich nachhaltigen Tourismusentwicklung können und müssen diskutiert werden. Klar ist, Städtetourismus, der allein auf eine quantitative Entwicklung ausgerichtet ist, funktioniert nicht mehr. Im Rahmen von Tourismuskonzepten sind qualitative Wachstumsszenarien zu prüfen, welche auf einem gegenseitigen Verständnis zwischen Gästen und Einheimischen aufbauen und Lebens- und Erlebnisqualität für alle generiert.

WÖLFEL  Städte sind heute gleichzeitig multifunktionale Lebens- und Erlebnisräume. Immer mehr Menschen partizipieren daran: verschiedenste Nutzer wie Anwohner, Unternehmer und Touristen. Der Tourismus ist vielerorts ein herausragender Wirtschaftszweig und ich finde die Stadt muss deshalb komplett neu gedacht werden. Klassische Rollenklischees der Akteure müssen aufgebrochen werden. Wir müssen die „Drehbücher“ neu schreiben. Es sind nicht mehr nur die klassischen touristischen Hot Spots wie historische Kulisse oder Altstadt, die ausschließlich nachgefragt werden. Auch außerhalb der 1A-Lagen lassen sich meistens touristisch interessante Aspekte bieten. Gerade für die jüngeren Städtetouristen wirken diese Räume authentischer und auch interessanter. Es kommt eben auf die Perspektive und Inszenierung an.

LORENZ  Für jüngere Städtereisende wird der Wunsch des Eintauchens in das Alltagsleben der bereisten Städte immer größer. Wenn sie eine Stadt besuchen, möchten sie sich wie Bewohner auf Zeit fühlen. Sie nutzen Airbnb, bewegen sich mit Leihfahrrädern fort und sind auf der Suche nach den Hidden Places. Sie suchen nach einer Balance zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Bewegung und Verweilen. Und damit geht eine Veränderung einher, wie wir Städtetourismus in Zukunft denken müssen. Unübersehbar sind zentrale Trends im Städtetourismus wie grüne Verweilzonen in einer gesunden (!) Stadt, die Nachfrage nach entschleunigten Mobilitätsangeboten (Wandern in der Stadt!), die digitale Angebotsvermittlung
und -wahrnehmung, neue Formen von Co-Working- und Co-Living-Places. Der gesamte Stadtraum wird zum Spiel- und Erlebnisraum. Dabei muss es, wie erwähnt, um eine nachhaltige Entwicklung des Städtetourismus mit Einbezug der Bewohner und ihrer Interessen gehen. Die Qualität des Stadterlebnisses sollte für alle Interessengruppen erhalten bleiben.

WÖLFEL  Ganz konkret denke ich beispielsweise an Entzerrung ausgetretener Trampelpfade und von „Stressräumen“ in Verbindung mit (planerischer) Quartiersentwicklung. Das kann einhergehen mit individueller Profilierung von Straßen, Vierteln oder Plätzen mit eigenen Geschichten und Angeboten. Auch wachsen Tourismus und Handel immer stärker zusammen. Die Gestaltung von Erlebnisräumen und -formaten wird daher als Gemeinschaftsaufgabe von Handel, Kultur und Tourismus immer wichtiger. Gefragt sind authentische Geschichten („AuthentiCity“) und Erlebnisse. Emotionalität spielt eine große Rolle, um gerade auch bei den Herausforderungen der Digitalisierung, ob für soziale Netze oder Augmented Reality, genügend Content zu liefern.

Erlebnis Land

LORENZ  Aber auch der ländliche Raum – den es so pauschal nicht gibt – besitzt touristisch ein unwahrscheinlich großes Potenzial. Er hat eine Alleinstellung darin, die immer latenter werdenden Sehnsüchte und Bedürfnisse unserer (städtischen) Gesellschaft nach Authentizität, Echtheit, Handgemachtem, Regionalem oder Entschleunigung zu bedienen. Im positiven Sinne ist der ländliche Raum und hier seine Spezifika, die sich aus Landschaft, Kultur, Historie und natürlich den Menschen zusammensetzen, touristisch zu „inszenieren“ und mit professionellen touristischen Produkten zu untersetzen.

WÖLFEL  Entscheidend ist, den Beteiligten das Potential des Tourismus und dessen Leistung für die jeweilige Region ins Bewusstsein zu rufen. Ein Beispiel aus meiner kürzlichen Erfahrung. In der Fränkischen Schweiz steht zukünftig sehr viel mehr das Genusserlebnis in unterschiedlichen Schattierungen im Fokus. Steigende Sensibilität für Lebensmittel und ein bewussterer Umgang mit gesunder, regionaler und saisonaler Ernährung in der Gesellschaft machen die Kulinarik bspw. zu einem Zukunftstrend im Tourismus. Die Region Fränkische Schweiz wartet mit einem der größten geschlossenen Süßkirschanbaugebiete in Deutschland auf, hat die weltweit höchste Brauerei- und Brennereidichte und wohl auch Metzgerei und Bäckereidichte. Diese Möglichkeiten gestatten, die Wertschöpfungskette in der Region zu erweitern und so die regionale Identität zu stärken. Vor diesem Hintergrund bin ich der festen Überzeugung, dass auch nur profilierte Tourismusdestinationen langfristig im intensiven, überregionalen Wettbewerb bestehen werden.


 

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