Konnektivität – eine Stadtentwicklungsperspektive

 

Spätestens mit dem Bedeutungsgewinn des Online-Handels lassen sich Innenstädte nicht mehr nur auf Versorgungsaufgaben reduzieren. Zu einem zentralen Erfolgsmerkmal der Innenstadtentwicklung wird – in Abwandlung der Aussage „Baut Beziehungen!“ der amerikanischen Architektin Jeanne Gang  – wohl die Zielorientierung „Beziehungen schaffen“.

Die Treffpunktfunktionen mit ihrem Beziehungspotenzial der (Innen-)Städte kennen wir bereits von antiken Marktplätzen: Das Agora-Prinzip. Die Agora war in der Antike der zentrale Fest-, Versammlungs- und Marktplatz. Sie war eine wichtige gesellschaftliche, politische Institution und ein kennzeichnendes Merkmal der griechischen Stadt. Ihre Stärken waren Kommunikation und Austauschbeziehungen. Eine interessante (Innen-)Stadtentwicklungsperspektive für die Zukunft.

Konnektivität

Der Aspekt Konnektivität hat mit der Strategieperspektive der Smart-Cities den rein technischen Bereich verlassen und Einzug in die strategische (Innen-)Stadtentwicklung genommen. Damit erreichen wir drei Arbeitsebenen der Konnektivität von Innenstädten, die eine integrierte Betrachtung sinnvoll er-scheinen lassen:

  1. Konnektivität als Erreichbarkeitsmerkmal,
  2. Konnektivität mit ihrer sozialen Funktion,
  3. Konnektivität und die Digitalisierung der Innenstädte.

Erreichbarkeit der Innenstädte

Die Erreichbarkeit der Innenstädte als ein wesentliches Merkmal der Konnektivität unterliegt aktuell einem gesellschaftlichen Wandel. Ging es früher darum, die Erreichbarkeit der Innenstädte für Kunden und Besucher zu erleichtern, bilden heute in Stadtmarketing und Stadtentwicklung übergeordnete, gemeinwohlorientierte Zielsetzungen wie Klimaschutz, Sicherheit und das gleichberechtigte Miteinander der Verkehrsarten wesentliche Parameter. Vielerorts prägen Lastenfahrräder, E-Bike-Stationen und andere, vernetzte Mobilitätsarten den öffentlichen Raum. Mit dem gesellschaftlichen Wandel der Mobilität in den Innenstädten ergeben sich nicht nur Perspektiven in Richtung eines verstärkten Umwelt- und Klimaschutzes, sondern auch im Hinblick auf die Stärkung von Stadtraumqualitäten. Und Stadtraumqualitäten sind eine zentrale Voraussetzung für die soziale Konnektivität.

Sozialer Austausch

Mit den Erfahrungen aus der anhaltenden Corona-Pandemie wird deutlich, welche Stärke Innenstädte als Kommunikations-raum im Sinne des sozialen Austausches entwickeln könnten, da wir alle diese Austauschbeziehung vermissen. Der Trend zur „Lokalität“ wird auch nach dem Ende der Corona-Pandemie einen relevanten Trend darstellen. Und Lokalität bedeutet in der Konsequenz erhebliche Chancen und Perspektiven für die Innenstadtentwicklung, konsumfreie und konsumorientierte Teilräume einzurichten. Gerade das Marktwesen mit seinen Austauschbeziehungen und seiner starken Regionalität wird an Bedeutung gewinnen. Die Kommunikation und Zugänglichkeit des Gesamtangebotes der Innenstädte lässt sich von den digitalen Formaten nicht trennen.

Digitalisierung

Die digitale Konnektivität der Innenstädte kann und sollte nicht losgelöst vom analogen Handel im Stadtraum entwickelt werden. Auch die digitalen Lösungen müssen Raum und Perspektiven für Beziehungen schaffen. Mit der Umsetzung von Digitalisierungsprozessen zur Stärkung der Innenstadt geht es nicht um technische Maximallösungen, sondern um die breite Anwendung und Akzeptanz von Wissen. Sie dürfen weder kompliziert noch datenfixiert sein, sondern sind in Anlehnung an die Strukturen der Stadtgesellschaften empathisch und zugänglich zu entwickeln.

Konnektivität³ in der Praxis

Aktuell lässt sich noch eine Differenzierung in integrierte Stadtentwicklungskonzepte einerseits und digitale Stadtentwicklungskonzepte andererseits beobachten. Diese Differenzierung wird es zukünftig nicht mehr geben (können).

Gerade in der Entwicklung der Innenstädte bilden die drei Konnektivitätsbausteine Mobilität/ Erreichbarkeit, soziale Interaktion und digitale Nutzung einen wichtigen Orientierungsrahmen. Kann das Agora-Prinzip mit seinen Anforderungen an die vielschichtige Konnektivität der Innenstädte einen Denkanstoß bieten!?

„Stadt ist Leben“ – der Claim der bcsd bringt es auf den Punkt. Attraktive Begegnungsorte in Verbindung mit einer multifunktionalen, für alle gesellschaftliche Gruppen gut und barrierefrei zugänglichen Innenstadt, bilden den konzeptionellen Rahmen für eine dialogorientierte Zukunftsgestaltung.

 

 

 

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Autor*in

Stefan Leuninger

cima // Büroleiter Stuttgart

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