Stadt braucht Handel


Kommunaler Stadtentwicklungscheck Handel als kommunale Erfolgskontrolle


Auszug StadtentwicklungscheckInnenstädte, Stadtteilzentren und Ortszentren sind in den vergangenen Jahren unter Druck geraten, denn der Handel braucht die Stadt nicht mehr unbedingt. Die Stadt braucht aber den Handel und das nicht nur in den Ortskernen, sondern auch an integrierten Lagen (Nahversorgung) und an verkehrsorientierten Standorten (Sortimente des langfristigen Bedarfs).

Was kann dafür aus kommunaler Sicht getan werden? Mit JOSEF EBNET, Bereichsleiter Verkehr, Handel, Stadtentwicklung der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, sprechen wir über erfolgreiche Standortentwicklung und über den Kommunalen Stadtentwicklungscheck Handel. Ebnet ist seit 2020 Nachfolger von Dr. Matthias Segerer und bei der IHK wichtiger Ansprechpartner für Kommunen und Unternehmen im Spannungsfeld Stadtentwicklung und Einzelhandel.


Warum beschäftigt sich die Industrie- und Handelskammer mit Stadtentwicklung?

Ebnet: Um als Wohn- und Arbeitsstandort attraktiv zu bleiben, braucht es funktionsfähige und vitale Innenstädte, Stadteil- und Ortszentren. Sie sind das Fundament für attraktive Wohn- und Arbeitsorte und stellen einen entscheidenden Baustein für den wirtschaftlichen Erfolg einer Region dar. Dies gilt in besonderem Maße für den ländlichen Raum. Herausforderungen wie demografischer Wandel, der zum lokalen Einzelhandel konkurrierende Onlinehandel und die Konzentration von Handels- und Dienstleistungseinrichtungen erhöhen den Entwicklungsdruck auf die Kommunen. Als Stimme der regionalen Wirtschaft setzt sich die IHK dafür ein, günstige Rahmenbedingungen für positive Entwicklungen zu schaffen.

Wie sehen für Sie attraktive Zentren in Zukunft aus und was müssen sie bieten?

Ebnet: Nur wenige Konsumenten können einem großen Sortimentsangebot und starken Preisrabatten von Einzelhandelsgroßflächen in Randlagen oder Online-Angeboten widerstehen. Die Folgen dieses neuen Angebots- und Nachfrageverhalten können wir beobachten: Geschäftsräume stehen leer oder werden im besten Fall umgewidmet. Um diesem Trend entgegenzuwirken braucht es lebendige und multifunktionale Zentren, die eine noch stärkere Nutzungsmischung aufweisen. Ein wichtiger Baustein dafür ist ein attraktives und vielfältiges Angebot an Einzelhandel, Dienstleistungen, Gastronomie und Kultur sowie einer wohnortnahen Versorgung. Die Zentren benötigen eine hohe Aufenthaltsqualität für Bewohner und Besucher. Die Zentren müssen von reinen Standorten des Versorgungseinkaufs zu Erlebnisräumen entwickelt werden, um die Menschen künftig noch oder wieder stärker in diese Lage zu locken.

Wozu dient der „Kommunale Stadtentwicklungscheck Handel“ und was versprechen Sie sich davon?

Ebnet: Der Kommunale Stadtentwicklungscheck der IHK ist eine Checkliste mit Erfolgsfaktoren für eine zielgerichtete kommunale Stadt- und Einzelhandelsentwicklung im Bereich Handel. Er zeigt, wie erfolgreiche Entwicklung aussehen kann, was die Kommune dafür tun muss und wo sie sich auf diesem Weg befindet.

An wen richtet sich das Angebot?

Ebnet: Wir wollen den Entscheidern vor Ort eine Planungshilfe bzw. ein Planungswerkzeug an die Hand geben. Der Check richtet sich an Bürgermeister/innen, Stadtbaumeister/innen, Werbegemeinschaften, Stadtmarketingorganisationen und Akteure, die sich Unterstützung bei einer langfristig orientierten und strategischen Stadtentwicklung wünschen.

Und was wünschen Sie sich insbesondere für die künftige Einzelhandelsentwicklung in Städten und Gemeinden?

Ebnet: Um die zukünftigen Herausforderungen zu meistern, braucht es in den Kommunen einen strategischen Ansatz: Nur Städte und Gemeinden mit einem klaren Plan für die Kommunalentwicklung werden auch langfristig als Wohn- und Arbeitsort attraktiv bleiben. Auf übergeordneter Ebene braucht es Werkzeuge und Anreize, die vor allem die Strukturen im ländlichen Raum berücksichtigen und die Innenstädte als Handelsstandort stärken. Zudem wird ein förderpolitischer Rahmen benötigt, der auch klein- und mittelständisch geprägten Handelsunternehmen ermöglicht, in die Digitalisierung und somit in die Zukunft des Handels zu investieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Kontakt JOSEF EBNET, IHK Regensburg: ebnet@regensburg.ihk.de


Download KOMMUNALER STADTENTWICKLUNGSCHECK (pdf) 

 

JAN VORHOLT, Stadtplaner, cima München, entwickelte den Kommunalen Standentwicklungscheck im Auftrag und in Abstimmung mit der IHK Regensburg:
Der Kommunale Stadtentwicklungscheck ist ein praxisorientierter Check, der die Kommunalentwicklung in Ihrer Stadt oder Gemeinde im Bereich Handel auf einen Prüfstand stellt. Eine gewisse Selbstkritik vorausgesetzt, können Sie den tatsächlichen Status-Quo auf dem Stadtentwicklungsbarometer ablesen. Die cima befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema Einzelhandel und es freut mich, dass wir den Stadtentwicklungscheck für die IHK entwickeln durften. Die cima unterstützt sowohl Kommunen als auch Einzelhandel – dem wir allen Unkenrufen zum Trotz auch künftig eine prägende Rolle in unseren Städten und Gemeinden zutrauen – mit Leidenschaft und Expertise.

 

 

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