InnenSTADTUMBAU

 

Von Prof. Frank Schwartze, Technische Hochschule Lübeck, Fachgruppe Städtebau und Stadtentwicklung


Anfang der 2000er Jahre wurden sehr gute Erfahrungen mit einem strukturierten Ansatz des Stadtumbaus gemacht. Damals war in den neuen Bundesländern das Problem des Wohnungsleerstands virulent, so dass sich Bund, Länder und Kommunen zu einem gemeinsamen Ansatz im Stadtumbau zusammenfanden. Dafür stellten sie – neben Förderung – die richtige Strategie und die Instrumente bereit. Heute müssen wir uns in der Frage der Weiterentwicklung unserer Innenstädte klar machen, dass wir es nicht mit Innenstadtentwicklung und schon gar nicht mit Geschäftsstraßenaktivierung zu tun haben. Auch das, aber es geht um InnenSTADTUMBAU. Vor diesem Hintergrund habe ich für die anstehende Phase der Stadtentwicklung vier Forderungen formuliert.

 

InnenSTADTUMBAU benötigt: Gemeinsam denken und handeln.

Wir brauchen gerade in den Städten, wo es jetzt eingeschlagen hat – siehe Schließung Karstadt und auch kleinere Kaufhäuser – eine Task Force InnenSTADTUMBAU aus Verwaltung, Wirtschaft und Politik. Das muss jenseits normaler Kampflinien zwischen Verkehrspolitik, Innenstadtentwicklung usw. jetzt gemeinsam angegangen werden.

InnenSTADTUMBAU benötigt: Wissen und Kompetenz.

Viele Klein- und Mittelstädte sind aufgrund der personellen Kapazitäten überfordert. Was machen wir zum Beispiel mit den rechtlichen Fragen beim Umgang mit Schrottimmobilien? Wie stark kann die Kommune die „Folterwerkzeuge“ gegenüber möglichen Investoren anziehen? An der Stelle den Kommunen vielleicht einen Pool von Fachjuristen an die Seite stellen, so dass diese tatsächlich ihre Entwicklungsziele rechtssicher umsetzen können. Des Weiteren brauchen wir ergänzend überfachliche Beratung und Wissensvermittlung. Da sind Akteure und Institutionen, wie beispielsweise die IHKn, bereits unterwegs.

InnenSTADTUMBAU benötigt: Abgestimmte Finanzierung und Rahmenbedingungen.

Die Städtebauförderung ist jetzt das Mittel der Wahl. Die Veränderung in der Städtebauförderung hat das Thema „Attraktive Zentren“ bereits stärker in den Fokus gerückt. Mein Eindruck ist, dass wir häufig noch in klassischen Bildern den Städtebauförderung von „erhalten, sanieren und historische Stadtbilder“ sind.  Es geht jetzt aber um Stadtumbau. Es geht im klassischen Sinne darum, Flächen und Strukturen neuen Nutzung zuzuführen. Ich weise auf die A-Lagen und auf die Einzelhandelsimmobilien in den Fußgängerzonen hin: Da sind massive Interventionen notwendig. Das ist nicht ohne Förderung möglich und da müssen wir jeweils sehen, ob die Richtlinien der Länder das hergeben.

InnenSTADTUMBAU benötigt: Ein robustes Mandat.

Wir brauchen keine gestaltorientierten Rahmenpläne. Wir brauchen integrierte Entwicklungskonzepte als Grundlage des Innenstadtumbaus. Auf die müssen sich Politik, Verwaltung und Wirtschaft in breitem Konsens einigen. Und – deshalb ist mir der Begriff robustes Mandat wichtig – die Bindungswirkung und Umsetzungsperspektiven haben. Auch Investoren brauchen verlässliche Pläne als Sicherheit, denn sie handeln nach Portfoliointeresse. An der Stelle muss deutlich gesagt werden was geht und was nicht geht. Nicht zuletzt brauchen die Kommunen selbst abgestimmte Pläne, wenn es darum geht, öffentliche Investitionen und die angesprochen rechtlichen Maßnahmen umzusetzen.


Autor: Prof. Frank Schwartze

Technische Hochschule Lübeck
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