Etwas anders oder supernormal?


Etwas anders.

Anders, egal wie! Wer im städtischen Umfeld etwas verkaufen möchte, setzt bei der Herausstellung der Andersartigkeit oft auf Bilder, Geschichten und Qualitäten. Und dann gibt es noch die Anpreisungen, die deutlich mit dem Zusatz „etwas anders“ werben. Diese universelle Beschreibung wird wahlweise eingesetzt für Stadtführungen, Übernachtungen und Veranstaltungen aller Art. Auch die „etwas andere Familientherapie“ ist buchbar. Ich persönlich würde im Fall der Fälle eine ganz normale Therapie bevorzugen, aber das ist ein anderes Thema.
Mich erheitert die verheißungsvolle Umschreibung „etwas anders“ immer dann, wenn das Produkt im Grunde recht gewöhnlich ist. Im Advent sah ich die Ankündigung für den „etwas anderen Weihnachtsmarkt“ – mit Musik, Feuerzangenbowle und Glühwein. Dieser Tage startet die „etwas andere Gewerbeschau“ mit Autohaus, Handwerkern und Blumenhof. Andernorts umwirbt die „etwas andere Kneipe“ mit gutem Service, guter Küche und sportlichen Highlights (Sky) ihre Gäste. Bei solchen Offerten stellt sich bei mir der Ehrgeiz ein, die auf den ersten Blick sehr klein geratene Andersartigkeit herauszufinden. Irgendetwas muss die Schöpfer ja bewogen haben, ihre Produkte offensiv als geringfügig abweichend vom Normalen anzupreisen.

Warum anders?

Das Angebot weicht oftmals tatsächlich nur wenig vom Gewöhnlichen ab, was nicht verwerflich ist. Es wirft aber die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Betonung der Etwasandersartigkeit auf. Ist es die Furcht vor dem Normalsein? Oder eine vage Mutmaßung, dass die Kunden vom vermeintlich Durchschnittlichen nicht angezogen würden? Mir wird wohl ewig unverständlich bleiben, warum manche weder normal, noch anders, sondern „etwas anders“ sein möchten.

Supernormal

Gibt es auch Gegensätzliches, d.h. offensive Vermarktung des Gewöhnlichen? Diese Recherche ist schon anspruchsvoller. Aufatmen bei einem Laden namens „Einfach Blume“. Da weiß man, was man hat. Oder doch nicht? Die Beschreibung „In der Floristik mal anders!“ macht den Hoffnungsschimmer wieder zunichte. Aber dann ein Volltreffer. In Elmshorn/Schleswig-Holstein scheint man sich vor Normalität nicht zu scheuen. Offensiv wird dort neuerdings mit der Stadtmarke „Supernormal.“ geworben. Das Ziel ist, aus dem Wettbewerb um noch tollere, noch hübschere, noch unglaublichere Eigenschaften auszusteigen und stattdessen die Normalität in den Vordergrund zu stellen. Richtiger Weg – wenn er passt. Man sagt sich „Normal ist das neue Super.“, aber das scheidet dort auch die Geister. Während es die einen mit langweilig gleichsetzen, sind andere stolz darauf, in diesen Zeiten normal zu sein. In jedem Fall ist der Zweck erfüllt, denn das Statement fällt auf. Es ist anders – nicht etwas anders.


Foto: Stadt Elmshorn

Autor:

Stefan Urbanski

Stefan Urbanski

cima // Projektleiter Medien/Kommunikation

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