Die E-Scooter sind los!

 

Seit diesem Sommer sind sie da: Die E-Scooter. Allein in München bieten aktuell vier Unternehmen jeweils 1.000 Verleih-Roller an. In zahlreichen weiteren Städten prägen sie seitdem das Bild der Innenstädte. Die Roller sind beliebt und werden rege genutzt. Es scheint so, als hätten sie eine große Fanbase. Die Schlagzeilen der Medien zum Thema E-Scooter fallen jedoch vornehmlich negativ aus. „Der Verkehrsminister hat sich einen Bären aufbinden lassen“, „Viele Unfälle und wenig Umweltnutzen“ und „Klima-Killer E-Scooter: So umweltschädlich sind die Elektroroller wirklich“ – so oder so ähnlich liest es sich nahezu täglich.

Ich persönlich habe mich sehr auf die Einführung der E-Scooter in Deutschland gefreut. Während meiner Besuche von Tel Aviv und Kopenhagen habe ich die kleinen Flitzer kennen und lieben gelernt. Mit der App entsperrt ging es flink los und binnen weniger Minuten von A nach B. Ganz bequem auf dem Radlweg. Und anders als mit dem Fahrrad: Ohne Schwitzen! Da waren selbst 40 Grad in Israel kein Problem. Für mich als Touristin also eine bequeme Wahl. Ins Schwitzen bin ich erst gekommen als die Abrechnung kam – hier 5 EUR, da 5 EUR. Die Kosten läppern sich. Die meisten Anbieter verlangen eine Startgebühr von 1 EUR zzgl. bis zu 30 Cent je Minute. Das ist vor allem bei kurzen Fahrten im Vergleich zu anderen Sharing Angeboten (Fahrräder, Autos, usw.) deutlich mehr.

Die Kosten sind wahrscheinlich der Hauptgrund, warum ich an meinem Wohnort E-Scooter trotz meiner Begeisterung vergleichsweise wenig nutze. Meinen Alltag bestreite ich mit dem Fahrrad, was mich zunächst nichts kostet. Ausnahmen sind schlechtes Wetter oder Transporte. Dann nutze ich den ÖPNV oder Car-Sharing Dienste. E-Scooter sind für mich in diesen Fällen keine passende Alternative. Im Gegenteil: Sie eignen sich noch schlechter als geliebtes mein Radl. Und so kommt es, dass ich den Roller im Alltag nur sporadisch „just for fun“ nutze. Diese persönliche Erfahrung bestätigt sich, wenn ich mich in München umschaue und mich im Freundeskreis umhöre. Für den täglichen Gebrauch alternativ zum Fahrrad sind E-Scooter zu teuer – für alle anderen Zwecke zu unpraktisch. Das gilt auch für die berühmte „letzte Meile“, also den Weg von der U-Bahn Station nachhause. Das wäre für mich die Idee, da ich knapp 15 Minuten Weg von der U-Bahn heim gehe. Aber zusätzlich zu meinem ÖPNV-Fahrschein nochmal bezahlen? Nein Danke. Und so sieht man augenscheinlich überwiegend Touristen durch die Stadt fahren, mit viel Freude und z.T. hoher Geschwindigkeit. Und Touristen gibt es in München einige.

Kritiken an der negativen Umweltbilanz kann ich durchaus nachvollziehen. Nachts sehe ich oft Transporter durch Wohngebiete düsen, um die E-Scooter zum Laden einzusammeln. Da die Roller (leider) gefühlt an jeder möglichen und unmöglichen Stelle abgestellt werden, wird diese Ladefahrt oftmals lang. Auch finde ich die Lebensdauer der Scooter von gerade einmal drei Monaten bedenklich kurz. Eine wirklich umweltfreundliche Verkehrsalternative sind sie für mich damit nicht.

Positiver sehe ich den Aspekt Verkehrssicherheit. Zugegeben, es gibt aktuell sehr viele Unfälle mit den Rollern. Sie sind gemessen an der Anzahl der Verkehrsteilnehmer leider unvermeidlich. Aber das ist aus meiner Sicht die Gewöhnungsphase. Vielen Nutzern sind die Regeln beim Scooter-Fahren nicht klar (Radweg statt Gehweg, allein fahren, usw.). Ich gehe aber davon aus, dass sich durch Übung und Gewöhnung sowohl bei Scooterfans als auch bei Autofahrern, Radlern und Fußgängern eine Reduzierung der Unfallzahlen einstellen wird. Das braucht möglicherweise einfach Zeit.

Ich bin sehr neugierig wie sich die Scooter-Branche entwickeln wird. Und ich hoffe sehr, dass den Hersteller in Sachen Haltbarkeit noch mehr einfällt und auch der doch hohe Startpreis bei der Ausleihe noch reduziert werden kann. Dann werde ich auch mehr auf einem E-Scooter durch München düsen.

 

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Autor:

Susanne André

Susanne André

cima // Beraterin

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