Berater aus Leidenschaft

 

Im Sommer 2020 verabschieden sich zwei geschätzte Berater von der CIMA Beratung + Management GmbH – und aus dem Berufsleben. Im Gespräch mit JÜRGEN LEIN, Standortleiter Stuttgart, und Dr. MANFRED BAUER, Standortleiter Leipzig, zu ihren Erfahrungen aus zusammen mehr als 60 Jahren Beratungspraxis.


Was macht einen guten Berater aus? Womit seid ihr im Berateralltag gut gefahren?

LEIN: Eine solide Grundlage jeder beratenden Tätigkeit ist und bleibt eine saubere Analyse, da alles Weitere auf Basis dieser Fakten stattfindet. Paart man das mit Fachkompetenz und ideologiefreier Sachlichkeit sowie Ehrlichkeit gegenüber dem Kunden, sind wesentliche Qualitätsmerkmale eines guten Beraters erfüllt. Dazu gehört meines Erachtens auch, Unangenehmes auszusprechen. Und wenn es Not tut, die Dinge wieder und wieder auf den Punkt zu bringen.

BAUER: In erster Linie gibt ein guter Berater fachlich kompetente und umsetzbare Empfehlungen ab. Idealerweise gehen Professionalität und persönlicher Anspruch zusammen. Ein gewisses Maß an Demut steht einem hierbei gut zu Gesicht. Ratsam ist es deshalb, die Menschen vor Ort aktiv einzubinden. Dies sorgt i. d. R. auch für die erforderliche Akzeptanz der Empfehlungen im lokalpolitischen Bereich. Integrität ist eine wichtige Eigenschaft, denn im Zusammenhang mit investiven Maßnahmen sind oft sehr viel Geld und Eigeninteresse im Spiel. Nach meinen Erfahrungen wissen Kooperationspartner klare Ansagen aber durchaus zu schätzen.

 

Ihr seid ausgewiesene Handelsexperten. Da liegt im Corona-Jahr die Frage nahe, wie es mit dem Handel weitergeht?

LEIN: Ich konnte immerhin über drei Jahrzehnte die Entwicklungen in der Handelswelt hautnah miterleben. Auch wenn man die Vergangenheit nicht unbedingt verklären sollte, so ist doch ein
Rückgang in der Vielfalt der Geschäftswelt eingetreten. Insbesondere kleinere und mittlere Städte, die vor 20 Jahren noch einen bunten Branchenmix und eine Vielzahl von inhabergeführten Fachgeschäften hatten, haben verloren.

Positive Entwicklungen sehe ich bei vielen Lebensmittelmärkten. Früher waren es eher Warenabholstationen, heute sind es großartige Erlebniswelten, in denen es Spaß macht einzukaufen. Oder auch die kleineren Start-Up-Betriebe, die mit originellen Geschäftsideen eine Nische im hart umkämpften Markt besetzen konnten. Die Situation im Corona-Jahr ist zumindest für den stationären Einzelhandel sicherlich nicht vergnügungssteuerpflichtig. Zusammen mit der Digitalisierung wird der Druck auf den Einzelhandel in den Innenstädten daher weiter zu nehmen.

BAUER: Die Corona-Pandemie wird Trends und Entwicklungen, die die Handelslandschaft bereits vorher veränderten, nochmals verstärken und beschleunigen. Ich denke, dass etwa 20-30
Prozent der Geschäfte nicht weitergeführt werden. Die Leerstandsentwicklung wird sich dadurch vor allem in den hochpreisigen Standortlagen dynamisieren. Hier stellt sich allein aus immobilienwirtschaftlichen Gründen die Frage nach geeigneten Nachnutzungen. Diese können nicht nur aus dem Handelsbereich kommen, vielmehr muss man hier über neue innerstädtische Formate und Angebotsformen nachdenken. Dem Online-Handel hat die Pandemie sicher in die Karten gespielt, wenn auch nicht alle Unternehmen der Branche in gleichem Umfang profitieren.

Denkbar wäre, neue gesetzliche Regelungen zu schaffen, um die vom boomenden Online-Handel ausgehende Erosion des stationären Handels einzudämmen. Ein Ansatzpunkt wäre z. B. eine Kostenpflicht für die Rücksendung von Waren an den E-Commerce.

 

Was schätzt ihr an den Regionen, in denen ihr tätig wart, besonders und was werdet vermissen?

LEIN: Ich muss zugeben, während meiner Tätigkeit im Südwesten des Landes, verliehen landschaftliche, kulturelle und nicht zuletzt auch die kulinarische Vielfalt meinen Dienstreisen immer einen gewissen Erlebniswert. Ob ich das vermissen werde? Selbstverständlich. Nicht vermissen werde ich allerdings meine Meditationsstunden, die ich als Pendler vom beschaulichen Marbach nach Stuttgart verbrachte. Und wenn ich rückblickend an die Auftraggeber denke, so würde ich festhalten, dass diese durchweg sicherlich als sehr anspruchsvoll bezeichnet werden können. Man achtet eben auf hohe Qualität bei günstigem Preis. In 19 Jahren Büroleitung musste ich tatsächlich nur zwei Rechnungen anmahnen. Auch das spricht für verlässliche Geschäftspartner.

BAUER: Unabhängig davon, in welchem Bundesland ich beraten habe, bleibt eine der schönsten Erfahrungen, dass mir meist ein großer Vertrauensvorschuss entgegengebracht wurde. Aus dienstlichen Kontakten entstanden manchmal sogar freundschaftliche. Zeitweilig stellten mich nur die verschiedenen Dialekte vor echte Probleme. Im Erzgebirge oder Vogtland musste ich als gebürtiger Oberfranke schon genau hinhören. Inzwischen ertappe ich mich regelmäßig dabei, wie sich auch einige regionale sprachliche Eigenheiten bei mir festgesetzt haben.

 

Zum Schluss: Gibt es eine Lieblingsstadt, in der ihr beraten habt?

LEIN: Da fällt mir spontan die Stadt Radolfzell am Bodensee ein. Zum einen habe ich dort sehr interessante Projekte begleitet, die auch realisiert wurden. Zum anderen hatte man am Bodensee immer das Gefühl, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Kurzurlaub fließend sind. Und ansonsten sage ich nur: „The show must go on.“

BAUER: Es gibt mehrere Städte, an die ich mich gern erinnere: Weimar, Kempten, Jena, Annaberg-Buchholz, Sonneberg und der Mittelzentrale Städteverbund Göltzschtal. Hier bin ich auf offen agierende und konstruktive Persönlichkeiten getroffen. Nicht verwunderlich ist für mich daher, dass sich diese Städte positiv entwickelten. Sehr interessant, aber auch besonders herausfordernd, war natürlich die Betreuung von Großstädten wie Leipzig, Karlsruhe, Halle, Chemnitz, Zwickau und Potsdam.

 

Vielen Dank für das Interview. Euch alles Gute für die Zukunft!

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